Ich als Baum. Bewegung. Malen. Reflektieren

Ich als Therapeutin sollte auch mutig sein, den Klienten zu fragen: „Darf ich Ihre Worte zitieren und das Bild von Ihnen zeigen?“ Das habe ich früher nicht gemacht, ich mache keine Fotos während der Sitzungen. Ich muss immer daran denken, dass es den Prozess stören kann!

Am Freitag gab es eine ganz andere Geschichte. Für einen Augenblick ist eine Gestalt entstanden. Ich habe gesehen, wie wichtig es für den Klienten war, das Bild so beizubehalten, wie es hier und jetzt ist. Meine Frage war sehr vorsichtig: „Darf ich ein Foto machen, um es dann Ihnen zu schicken?“ Das war in diesem Moment die Lösung! Ferner bin ich noch mutiger geworden und habe gefragt, ob es möglich wäre, das Bild zu veröffentlichen? Ich hatte so ein Gefühl, dass es nicht nur mein Bedürfnis ist, euch ein bisschen mehr über meine Arbeit zu erzählen, sondern auch der Wunsch des Klienten, noch jemandem seine eigenen Kunstwerke zu zeigen. Dann habe ich ihm vorgeschlagen, zum Bild eine Geschichte zu schreiben. Dadurch habe ich bei meinem Klienten noch mehr Inspiration gesehen und wusste, dass er gerne und viel schreibt. Glücklicherweise sieht es jetzt so aus, dass weitere Publikationen von Bildern und Geschichten von ihm einen therapeutischen Effekt bringen, was uns beide natürlich sehr freut! Es wird nicht mit jedem so funktionieren. Hier muss man sehr vorsichtig sein.

Ich war dadurch auch so fasziniert, dass ich dafür eine neue Kategorie erstellt habe: „Kunstwerke von Klienten“. Und jetzt könnt ihr alle weiter Zeugen davon sein, wie sich eine bestimmte Person während der kreativen Arbeit entwickeln wird. Wir nennen ihn M.B. und hier ist die erste Geschichte von ihm. Das Bild betrachten wir aber auf unserem gemeinsamen Weg als dritte Gestalt. Zur dritten Sitzung haben wir diese Ergebnisse als Gefühle und Gedanken bekommen, die durch Verkörperung des Baums in einem Bild entstanden sind.

ichalsbaum

ichalsbaum

Fenster

Fenster.

Du stehst und schaust. Du siehst.

So viel verschiedene Perspektiven gibt es.

Du suchst deine eigene. Und findest.

Die SFU ist wie ein Fenster für mich. Ich schaue, suche, sehe. Ich wähle.

Ich gehe weiter, aber ich weiß, dass es ein Fenster gibt, aus welchem ich immer schauen kann, um eine Perspektive zu suchen und zu finden, damit ich meinen Blick auf sie fokussieren und dann ein schönes Bild bekommen könnte.

Das Praktikum ist fertig!

Liebe Freunde,

heute war mein letzter Praktikumstag im Spital.

Das kunsttherapeutische Praktikum habe ich abgeschlossen und habe damit 480 Stunden.

Bis Januar habe ich noch Seminare an der Uni und dann noch bis Sommer Zeit, meine Masterarbeit fertigzuschreiben.

Bis Februar habe ich alle Privattherapiestunden reduziert und ab November biete ich dafür nur Montags, von 9 bis 16 Uhr an.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Feiertag und alles Gute!

Ihre Rinata Güttlein

Allein = Einsam?!

Eine Sitzung heute.
Kunsttherapie.
Zwei Stunden.
***
– Was ist jetzt passiert?
– Ich bin traurig…
– Warum denn?
– Weil ich alleine bin…
– Zeichnen wir dazu ein Bild?
***
Ehrlich gesagt war es mir schwer vorzustellen, dass ich das Thema „Allein zu sein“ irgendwie positiv für meine Klientin präsentieren konnte. Sollte ich nicht… Sie machte alles selbst!
Im Kreativprozess sprachen wir sehr viel über Gefühle und Gedanken.
Als sie dann die Bilder anschaute, fand sie selbst die Ressourcen für sich und so viele Vorteile von ihrer Einsamkeit!
Sie fühlte sich nicht mehr alleine, sondern erfüllte sich von ihren Gefühlen und Emotionen, von ihren Gedanken und Verständnis, dass sie allein nicht sein kann, sie ist nicht einsam, sie ist einfach frei und unabhängig!

Sandinsel

Wisst ihr, warum Kinder so glücklich und sorgenfrei sind? – Unter anderem weil sie viel im Sand spielen.

Diese Methode  geht um Selbstsuche. Man benutzt Sand als Feld (oder eine Insel), diese kleine Insel liegt auf dem Tisch (in Kreisform) vor dem Klienten, wir binden die Augen des Klienten zu, und stellen auf dem Sandfeld kleine Figuren auf. Mit geschlossenen Augen sucht der Klient nach diesen Figuren, es muss langsam und vorsichtig geschehen, als ob man mit seinen Fingern über den Sand irgendwohin läuft. Im Prozess kommen Gefühle, über welche wir danach sprechen. Wenn ein Impuls kommt, etwas zu malen (sich zu bewegen, zu singen, zu schweigen usw.), lassen wir uns Zeit und Raum dafür. Es ist so interessant, wie man die Figuren (eigentlich sich selbst) auf diesem kleinen Feld verliert oder nicht findet… Und viel interessanter ist es, was nach dieser Übung kommt, was man sagt und wie man sich fühlt… Hier gibt es eine Wahrscheinlichkeit, den Moment zu halten, von dem wir dann später in unserer Zusammenarbeit ausgehen.